Hauptstadt

Die Geschichte des Vereins ist ebenso wie die Geschichte des Architekturpreises eng mit der Geschichte der Hauptstadtwerdung des wiedervereinigten Berlin verbunden. Mit der architektonischen und städtebaulichen Modernisierung Berlins seit Beginn der 90er Jahre, die der Stadt den Ruf als »größte Baustelle Europas« eingebracht hat, ist auch die öffentliche Diskussion um die Qualität von Architektur und Städtebau als Markenzeichen des Neuen Berlin entbrannt.

In diesem Klima wachsenden gesellschaftlichen Interesses an den jüngsten Zeugnissen von Städtebau und Architektur ist der Architekturpreis Berlin als Instrument der Herausstellung und Würdigung beispielhafter neuer Architektur ins Leben gerufen worden.

Preis

Der Vorläuferpreis, der 1989 zum ersten und auch zum letzten Male vergeben wurde, war damals noch ein Preis des Landes »West-Berlin«, den der Senator für Bau- und Wohnungswesen auslobte.

Mit der Wiedervereinigung Berlins gab die Senatsverwaltung angesichts der gewaltigen Herausforderungen der Gestaltung des Neuen Berlin den Preis 1992 in die Obhut des BDA Berlin. Der Preis steht seitdem unter der Schirmherrschaft der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Der Preis war damals nicht dotiert, die Mittel dienen allein dem Verfahren, von der Plakatierung und den Anschreiben, über das Preisgericht und die Preisverleihung bis hin zu Dokumentationen. Die Finanzierung des Verfahrens konnte der Berliner Landesverband des Bund Deutscher Architekten als Auslober jedoch nicht allein aus seinem Etatmitteln bestreiten, so dass der damalige Vorsitzende, Jan Rave (✝), einen Förderverein ins Leben rief, für den er zur Durchführung des zweiten Architekturpreises Berlin 1994 bereits eine Reihe großzügiger Sponsoren und Mitglieder gewinnen konnte.

Wurden von 1992 bis 2000 jedes zweite Jahr die neuentstandenen baukünstlerischen Werke gewürdigt, wird der Preis mittlerweile im dreijährigen Turnus vergeben.

Auf eine formelle Bewerbung hin entscheidet ein Preisgericht, das sich aus freien Architekten und Persönlichkeiten aus dem weiteren Kulturbereich zusammensetzt, über die Zuerkennung des Preises und der Auszeichnungen. Da nur aktuelle Bauwerke im Land Berlin prämiert werden können, begutachtet die Jury vor der endgültigen Entscheidung die aus einer Vorauswahl hervorgegangenen Objekte vor Ort.

Dass ins Preisgericht Architekten und Persönlichkeiten des kulturellen Lebens in die Jury berufen werden, die zwar das Werden des Neuen Berlin mit großem Interesse verfolgen, ihren Wirkungskreis aber überwiegend außerhalb der Stadt haben, ist Voraussetzung um eine weitgehend unabhängige Sichtweise frei von jeglichen lokalen Lobbyinteressen sicher zu stellen.

Der Architekturpreis wird gemeinsam an Architektin und Bauherrin, Architekt und Bauherr vergeben, weil alle Erfahrung zeigt, dass herausragende Architektur nur in engem Zusammenhang und Ringen zwischen Architekt und Bauherr entsteht.

Verein

Mit der Zeit wurde der Preis auch dank der finanziellen Unterstützung des Fördervereins zu einem unabhängigen, von den Akteuren des Baugeschehens in engagierter Selbsthilfe getragenen Instrument der Würdigung und Förderung vorbildlicher und richtungsweisender Architektur.

Nach der Trennung vom BDA im Jahr 2007 übernahm der Verein selbst die Rolle des Auslobers.

Seit 2010 veranstaltet der Verein in seinem Domizil im KutscherHaus am Kurfürstendamm 50a (Georg-Grosz-Platz) Vortrags- und Diskussionsabende rund um Themen der Architektur und Baukultur.

Der Verein bietet breiten Bevölkerungsschichten eine Plattform und versteht sich als Freundeskreis aller, die an guter Architektur interessiert sind und die meinen, Bauen sei eine kulturelle Aufgabe.

Berlin

Mit dem Architekturpreis Berlin knüpft der Verein bewusst an die grosse Tradition des Berliner Architekturdiskurses zu prototypischen und richtungsweisenden Berliner Bauwerken an, die die wirtschaftliche, kulturelle, soziale und baulich-städtebauliche Modernisierung Berlin nachhaltig beeinflusst haben: Die Bauakademie von Schinkel, die AEG Turbinenhalle von Behrens, die Wohnhausgruppe Sickingenstrasse von Messel, die Siemenswerke von Hertlein, das Haus des Rundfunks von Poelzig, das Hufeisen von Bruno Taut, die Philharmonie von Scharoun und die Nationalgalerie von Mies van der Rohe.

Prof. Klaus Zillich
Vorsitzender des Vereins Architekturpreis Berlin e.V. - 1997-2014